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Gechichte / Fotos wurden bereit gestellt von: Werner Zimmer (†), Siegfried Gollnick,  Markus ChristianGeschichte 1 / Fotos wurden bereit gestellt von: Werner Zimmer (†), Siegfried Gollnick,  Markus Christian
 

 

Ehemalige Wild- und Rheingräfliche Residenz Grumbach

 

 

 

Kurzer historischer Abriss des Burgfleckens und früheren Amtssitzes

 

Grumbach gehörte für die Zeit des Alten Reichs durchweg zum Gebiet der Wild- und Rheingrafen. Das hochadlige Grafengeschlecht geht auf die ursprünglich getrennten Familien der Wildgrafen, Nachkommen der Emichonen als Grafen im Nahegau, und der Rheingrafen aus dem Rheingau zurück. Von den Wildgrafen spalteten sich dann die Grafen von Veldenz und die Raugrafen ab. Als Stammburgen des Hauses gelten Schmidtburg, Kyrburg und Dhaun bei Kirn, Grumbach und Rheingrafenstein sowie Flonheim in Rheinhessen. Wann und von wem die Burg Grumbach erbaut wurde, wissen wir nicht, doch könnte es sich um eine originäre Gründung der Wildgrafen handeln, zumindest befand sie sich anfangs im Alleinbesitz der Familie (Allod). Die Überlieferung, dass Grumbach von den Tempelrittern gegründet wurde, hält sich hartnäckig, konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. Ebenso wenig eine sog. Siedlungskontinuität, obwohl auf der Gemarkung bereits Besiedlungsspuren aus der Altsteinzeit gefunden wurden, auch ist die nördlich verlaufende Römerstraße zu beachten. Der Name Grumbach leitet sich vom mittelhochdeutschen „gruone“ ab und lässt sich als grüner Bach deuten.

 

Geschichten / Fotos wurden bereit gestellt von: Werner Zimmer (†), Siegfried Gollnick,  Markus ChristianDer Ort, die Ansiedlung im „Tal“, dürfte in Zusammenhang mit der in Spornlage auf der Höhe gelegenen Burg zu sehen sein, deren ursprüngliches Aussehen durch jahrhundertelange Überformungen nicht mehr zu rekonstruieren ist. Die Einteilung in zwei enge Straßen am Burghang gelegen, stellt das idealtypische Bild eines Burgfleckens dar.

 

Die spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Baustruktur, dargestellt auf einem Kupferstich der Jahre um 1630, ist noch heute im Ort nachweisbar. Die im Mittelalter verliehenen Stadtrechte vermochten sich nicht prägend auf die Siedlung auszuwirken, die Forschung spricht hier von sog. Minderstädten. Eine Befestigung dieses Fleckens ist nicht bekannt, doch ist 1590 von Toren, Gräben und Palisaden die Rede, die Bez. „Gebück“ ist noch gebräuchlich. Erwähnenswert ist aber die „hierarchische“ Struktur der Bausubstanz – je tiefer im Tal gelegen, desto kleiner die Parzellen – in der sich die Gesellschaftsstruktur des damaligen Feudalsystems widerspiegelt.


Im Mittelalter wurde Grumbach von adligen Burgmannen im Auftrage ihrer Herren bewohnt und verwaltet, besonders zu erwähnen wäre die Familie der Rüdesheimer (Rhein). In jener Zeit war Grumbach auch Opfer einer damals üblichen Geldpolitik ihrer Besitzer, mehrere Verpfändungen samt Unterverpfändung sind überliefert. Die genauen Besitzverhältnisse während des Mittelalters aber sind unklar.

 

Noch im Spätmittelalter gelang es durch eine kluge Familienpolitik Gebiete vorwiegend im elsaß-lothringischen Raum hinzuzugewinnen, der Titel eines Grafen von Salm wurde in den Namen aufgenommen.


Dieser Zustand änderte sich am Beginn der Neuzeit als Grumbach Residenz wurde. Durch immer wieder vorgenommene, in Grafenhäusern aber durchaus übliche Erbteilungen in der Familie der Wild- und Rheingrafen kam es gewissermaßen zur Atomisierung des Besitzes, so dass schließlich das Gebiet um Grumbach, das von einem Amtmann verwaltet wurde,  sogar zu einer eigenen Herrschaft wurde. Voraussetzung dafür war aber auch der Besitz der Reichsunmittelbarkeit, der Landesherr musste über Reichslehen, unmittelbar vom Kaiser verliehen, verfügen und auch Sitz und Stimme auf dem Reichstag haben, die sog. Reichsstandschaft. Dies sollte hier bis zum Ende des Alten Reichs Bestand haben, einzigartig für das Gebiet des Kreises Kusel. Das Verhältnis zum Reich drückte sich nicht zuletzt durch das Recht der Rheingrafen aus, eigene Münzen prägen zu lassen, was auch in den Jahren um 1610 (links) und 1762/63 (rechts) geschah, sowie einer rheingräflichen Kompanie von Soldaten im Reichsheer, von der ein Kontingent in Grumbach in Garnison lag.

 

VerwaltunMünzen 2 / Fotos wurden bereit gestellt von: Werner Zimmer (†), Siegfried Gollnick,  Markus Christiangsmäßig Münzen / Fotos wurden bereit gestellt von: Werner Zimmer (†), Siegfried Gollnick,  Markus Christianversuchte man das Gebiet um Grumbach zu arrondieren, indem man Rechte fremder Herren nach und nach an sich zog und das Land so konsolidierte, doch gelang dies in wirtschaftlicher Hinsicht nicht. Anhaltende Kriege verhinderten eine Prosperität der kleinen Herrschaft, durchziehende Heere ernährten sich „aus dem Lande“, die Bevölkerung musste Kontributionen leisten. Dies änderte sich erst um die 1750er Jahre, als ein Aufschwung zu verzeichnen war, die Infrastruktur einer kleinen Residenz bildete sich aus. Der Ort dehnte sich aus und es waren selbst so spezialisierte Berufe wie Goldschmiede, Perückenmacher und Buchbinder vorhanden, auch fehlte der herrschaftliche Vogelfänger nicht.

 

Ermöglicht wurde diese Entwicklung durch eine Umkehr in der Familienpolitik, indem nun die Seitenlinien der Grafen beerbt werden konnten, die Grumbacher Linie der Wild- und Rheingrafen war zu Ende des Alten Reichs faktisch die einzig verbliebene der rheingräflichen Branche. Dies lag letztlich auch an einem großen Kinderreichtum, mit dem das Haus gesegnet war. Es können durchwegs standesgemäße Heiraten mit Fürsten- und Grafenhäusern wie derer von Mansfeld, Nassau-Usingen, Limpurg oder Leiningen-Hardenburg verzeichnet werden. So brachte z.B. Rheingräfin Juliane, Gattin des Rheingrafen Karl Walrad, von 1729 bis 1748 insgesamt 17 Kinder zur Welt. Die Verwandtschaft in der Salmer Linie war bereits 1623 in den Fürstenstand erhoben worden, ein ebensolches Bestreben einer Standeserhöhung der Grumbacher Grafen wurde durch die Französische Revolution vereitelt, es gelang dies erst 1816 den direkten Nachfahren, den heutigen Fürsten zu Salm-Horstmar. Somit finden wir in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Rheingrafschaft als ein Konglomerat von Herrschaftsrechten, die oft nur zu Bruchteilen ausgeübt werden konnten und welche sich auf annähernd 70 Ortschaften erstreckten: die Herrschaft Grumbach mit einem Teil des sog. „Eßweiler Thals“, die Herrschaften Rheingrafenstein (Gaugrehweiler), Dhaun, Wildenburg (bei Kempfeld), Dhronecken (Mark Thalfang am Erbeskopf) und Diemeringen (Elsaß), sowie die Ämter Wörrstadt und Flonheim (Rheinhessen) und die Oberschultheißerei Meddersheim mit Kirschroth an der Nahe. Ganz der Mode der Zeit entsprechend erbaute man sich in Wörrstadt ein Palais, wohin der regierende Graf mit seiner Gattin 1788 verzog. Ein im Bau befindlicher Schlossneubau, der schon 1768 erwähnt wurde, hier im Ort blieb aber unvollendet. Dies alles wurde von Grumbach aus regiert.

 

Dabei kam es notgedrungen zu einer Institutionalisierung der Verwaltung, so dass im Ort die Amtsverwaltung, zuständig für die Ortschaften des Amtes rund um Grumbach und von einem Amtmann geführt, ansässig war. Auf dem Schloss befand sich als übergeordnete Behörde in Form der Kanzlei die Landesverwaltung unter dem Vorsitz eines Hofrats. Die sich abzeichnende Prosperität des Ortes sah sich in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts bedroht, als die Wirren der Französischen Revolution auch die Rheingrafschaft erfassten, deutlich zu sehen am Verfall des Schlosses zur Ruine. Um 1800 auf Abbruch versteigert, war seine Zerstörung ein sichtbares Zeichen für das Ende des Feudalzeitalters. Jedoch vermochte die Verwaltung als Institution am Ort zu überleben und sollte sich noch für die nächsten etwa 170 Jahre auf die Sozialstruktur prägend auswirken. So können wir schon für die französische Zeit einen nahtlosen Übergang verzeichnen, indem Grumbach Hauptort des gleichnamigen Cantons mit den Mairien Grumbach, Offenbach, Schmidthachenbach und Sien wurde. Das Amt Grumbach existierte in dieser Grösse bis zum Bau des Truppenübungsplatzes Baumholder 1937. Es bestand aus den 17 Ortschaften: Buborn, Deimberg, Grumbach, Hausweiler, Herren-Sulzbach, Homberg, Ilgesheim, Kappeln, Kirrweiler, Merzweiler, Langweiler, Niederalben, Niedereisenbach, Oberjeckenbach, Offenbach, Unterjeckenbach und Wiesweiler. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang auch der überregional zur Berühmtheit gelangte Räuber Johannes Bückler gen. Schinderhannes, der zum Teil im hiesigen Amt aufwuchs. Ist sein genaues Geburtsdatum auch unbekannt, so wurde zumindest sein Vater 1758 im benachbarten, zum Amt gehörenden Merzweiler geboren.

 

Einen Kirchenbau bekam der Ort erst mit der Zugehörigkeit zu Preußen. Ermöglicht wurde er durch ein Geschenk König Friedrich Wilhelm III. Ob es dabei eine Rolle spielte, dass seine Gattin, Königin Luise, in ihrer Kindheit bei ihrer Verwandtschaft in Grumbach zu Besuch war, ist nicht überliefert. Geplant wurde die Kirche durch Kreisbaumeister Leonhard aus Saarbrücken, der sich auf einen von ihm aber abgeänderten Plan einer Normalkirche des damals führenden Architekten Karl Friedrich Schinkel bezog. Auch gingen seine Pläne zunächst zur Revision an die Oberbaudeputation zu Berlin, der Schinkel vorsaß. Eine direkte Schwesterkirche, etwas größer dimensioniert, finden wir in der Pfarrkirche Maria Geburt im saarländischen Ottweiler. Als Platz für die Kirche wählte man das Areal des ehemaligen Schlosses, so dass sie noch heute das Ortsbild prägt. Eine eigene Kirche hatte der Ort bis dahin nicht, obschon 1405 ein Kaplan auf der Burg erwähnt ist und für das Jahr 1584 explizit von einer Schlosskapelle die Rede ist. Die Leute „im Tal“ mussten den Gottesdienst im 3 km entfernten Herren-Sulzbach besuchen, in welcher Kirche auch das herrschaftliche Begräbnis war. Die Grafen waren den Ideen der Reformation Luthers gegenüber bereits früh aufgeschlossen, doch kann ein exaktes Datum für ihre Einführung in der Rheingrafschaft nicht genannt werden. Wir müssen vielmehr von einem allmählich sich vollziehenden Prozess der Adaption des neuen Glaubens ausgehen, indem sicher noch einige Zeit katholische neben evangelisch-lutherischen Gottesdiensten gehalten wurden. Um 1760 wurde neben dem Hofprediger in Sulzbach hier die Stelle eines Hofkaplans geschaffen, dessen Bepfründung sich auch auf Hausweiler und Merzweiler erstreckte, was allgemein als der Beginn der Kirchengemeinde Grumbach gesehen wird, kirchenrechtlich aber erst ab 1808. Die Stelle wurde erstmals durch den als Revolutionär bekannt gewordenen Philipp Jacob Rühl besetzt. 2012 wurde die Kirchengemeinde Grumbach mit der Kirchengemeinde Herren-Sulzbach (wieder-)vereinigt.

 

Ebenfalls in preußischer Zeit entstanden ist der mehrgliedrige Gerichtstrakt auf dem früheren Schlosshof, der das Amtsgericht beherbergte. Die Rechtsprechung in Grumbach war uralt. Bereits für 1385 ist die Funktion des Ortes als Amtssitz überliefert, was zu damaliger Zeit auch Gerichtssitz bedeutete. Ein Hochgericht, was „über Hals und Halsbein, Dieb und Diebin“ zu richten berechtigt war, war das „Gericht auf der Heide zu Sien“, dessen Gerichtsherr derjenige war, der die Burg zu Grumbach innehatte. Der Gerichtssitz hat die Zeit überdauert, auch wenn sich das Gericht veränderte: vom Friedensgericht französischer Prägung über das „königlich-preußische“ zum modernen Amtsgericht. Der Gerichtsbezirk reichte dabei von Weierbach an der Nahe bis zum Glan, wobei die Gemarkungsgrenze zum früher bayerischen Lauterecken Teil der ehemaligen Pfalzgrenze war.


Die Auflösung des Gerichts in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts leitete eine Phase der tiefgreifendsten Veränderungen für den Ort seit Jahrhunderten ein. Indem die Behörden sukzessive vom Ort abgezogen wurden, letztmalig durch die Verwaltungsreform 1969 mit der Auflösung des Amtes Grumbach, wandelte sich das Ortsbild innerhalb kürzester Zeit. Konnten für die 1950er Jahre noch mehr als 50 Betriebe in Handwerk, Gewerbe und Dienstleistung gezählt werden, hat sich der Ort heute zu einer reinen Wohngemeinde entwickelt.

 

Berühmte Persönlichkeiten:

Friedrich Casimir Medicus (1736-1808) Arzt, Botaniker, Gründer der Kameral-Hohen-Schule in Kaiserslautern
Wild- und Rheingraf Carl August (1742-1800) Feldmarschall-Lieutnant, Verteidiger der Festung Philippsburg
Wilhelm Boden (1890-1961) erster Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz
Paul Eckel (1900-1971) Mediziner, Präsident des Weltärztebundes
Paul W. Massing (1902-1979) Soziologe, Vertreter der Frankfurter Schule